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Was besagt die Theorie der Gesellschaftsspiele bzw. Spieltheorie?

Parker MonopolyDie Spieltheorie wird formal der Mathematik zugeordnet, wird aber in deutlich mehr Feldern, wie Wirtschaft, Marketing oder Informationstechnologie angewendet. Der erste Beitrag für die bis heute angewandte Theorie war die Veröffentlichung „Zur Theorie der Gesellschaftsspiele“ von John Neumann im Jahr 1928. Relevant in der Forschung wurde die viel diskutierte Spieltheorie allerdings erst Mitte der 1944 Jahre. Eine der grundlegenden Fragen der Spieltheorie ist die nach den möglichen Ausgängen eines Spiels. Um diese Frage zu beantworten, werden verschiedene Kriterien an ein Spiel ermittelt und Unterscheidungsmerkmale zwischen Spielen festgelegt. Nachstehend erhalten Sie eine kurze Zusammenfassung der Grundlagen der Spieltheorie. Zur besseren Veranschaulichung werden zudem Anwendungsbeispiele näher erörtert.

Was ist eigentlich ein Spiel?

Was besagt die Theorie der Gesellschaftsspiele bzw. Spieltheorie?Die Spieltheorie geht davon aus, dass jede Situation, in der eine Entscheidung gefällt werden muss und diese Entscheidung von mehreren Personen abhängt, als Spiel bezeichnet werden kann. Diese Definition kann auf jedes Gesellschaftsspiel übertragen werden, da mehrere Spieler Entscheidungen treffen, um als Gewinner aus dem Spiel hervorzugehen. Eine einzelne Entscheidung ist dabei zum einen abhängig von den jeweiligen Regeln des Spiels und zum anderen vom Verhalten der Mitspieler.

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Ein Spiel ist immer auch verbunden mit bestimmten Annahmen, die den meisten Menschen nicht bewusst sind, die aber für die Beantwortung der Frage nach dem Ergebnis durchaus wichtig sein können. Diese sind unter anderem:

  • jeder Spieler entscheidet rational
  • jeder Spieler kennt die vorgegebenen Regeln
  • die Regeln ändern sich während des Spiels nicht

Ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal zwischen Spielen ist die zwischen kooperativen und nicht-kooperativen Spielen. Bei kooperativen Spielen setzen die Regeln eine Kooperation voraus, bei nicht kooperativen Spielen kann zwar mit einem Mitspieler gemeinsam eine Entscheidung getroffen werden, die in den Regeln aber nicht festgelegt ist. Denken Sie einmal an die Gesellschaftsspiele aus der Kindheit oder die Sie mit Ihren Freunden oder der Familie gelegentlich spielen. Die meisten der Spiele aus dem Handel sind nicht-kooperativ und am Ende gibt es nur einen einzigen Gewinner. Selbst wenn Sie mit einem Mitspieler eine Kooperation eingehen, tun Sie dies in der Regel aus einem Eigeninteresse heraus.

Hinweis: Die kooperative Spieltheorie basiert auf anderen Grundlagen und Annahmen und gilt daher als Zweig der klassischen, nicht-kooperativen Spieltheorie. Untersucht und diskutiert weniger die Strategien, um ein Spiel für sich zu entscheiden, sondern mehr die Verhandlungen und die Art der Kooperationen zwischen den Spielern.

Vor- und Nachteile der nicht-kooperativen Spieltheorie

  • sehr gut anwendbar auf Spiele mit zwei Personen
  • Möglichkeit des Nachvollziehens komplexer Entscheidungen
  • Entwicklung von Lösungskonzepten
  • Ermöglichung der besten Lösungsstrategie für komplexe Probleme
  • Hilfestellung für die rationale Entscheidungsfindung
  • nicht alle Spieler entscheiden ausschließlich rational
  • schwierigere Analyse mit steigender Anzahl der Spieler
  • insbesondere Wettbewerbsprobleme können mit der Spieltheorie allein nicht erklärt werden

Grundtypen von Spielen

In der Spieltheorie wird zwischen verschiedenen Arten von Spielen unterschieden, die sowohl innerhalb der Gesellschaftsspiele als auch im Alltag regelmäßig vorkommen. Eine kleine Auswahl der Grundtypen, die Sie sicherlich bereits gespielt oder erlebt haben, werden Ihnen in der nachstehenden Tabelle näher vorgestellt:

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Art des Spiels Erläuterungen
Nullsummenspiel Das Nullsummenspiel ist laut Spieltheorie ein Wettbewerb, bei welchem eine Person nur dann gewinnen kann, wenn der oder die Mitspieler verlieren. Eine Kooperation ist bei einem Nullsummenspiel ausgeschlossen. Bekannte Beispiele hierfür sind

  • Mühle,
  • Mensch-Ärgere-Dich-Nicht oder
  • das Bewegungsspiel Twister.

Während Gesellschaftsspiele oder auch sportliche Wettkämpfe sehr häufig als Nullsummenspiele gelten, treffen wir bei Entscheidungen in der Realität eher auf Nicht-Nullsummenspiele.

Soziales Dilemma Bei einem sozialen Dilemma würden rein rationale Entscheidungen aus Eigennutz zu Nachteilen für alle Spieler führen. Besonders bekannt geworden in dieser Kategorie ist das Gefangenendilemma. Hierbei werden zwei Personen einer nicht nachweisbaren, schweren Straftat beschuldigt und einer leichten, nachweisbaren Straftat beschuldigt und werden einzeln vernommen. Wer gesteht, muss mit einer Gefängnisstrafe von zehn Jahren rechnen. Wer schweigt, muss für die leichte Straftat für ein Jahr ins Gefängnis.  Nun ergeben sich vier Möglichkeiten der Entscheidung:

  1. Beide gestehen – beide müssen für fünf Jahre ins Gefängnis, weil das Geständnis als positiv gewertet wird und kein eindeutig Schuldiger gefunden werden kann
  2. Person A gesteht und Person B schweigt – Person A muss für zehn Jahre ins Gefängnis
  3. Person B gesteht und Person A schweigt – Person B muss für zehn Jahre ins Gefängnis
  4. Beide schweigen – beide müssen für ein Jahr ins Gefängnis

Da beide mutmaßliche Straftäter unabhängig voneinander befragt werden und sich vor den Verhören nicht absprechen können, wissen beide nicht, wie sich der jeweils andere entscheiden wird. Sie befinden sich in einem sozialen Dilemma.

Koordinationsspiel Bei diesem Grundtyp steht die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Spielern im Zentrum.  In den meisten Fällen haben beide oder mehrere Spieler dasselbe Interesse, müssen sich aber in eine jeweils andere Richtung orientieren. In sozialen Situationen trifft man Koordinationsspiele recht häufig an. Ein bekanntes Beispiel des Nobelpreisträgers Thomas Schelling ist folgendes: Person A und Person B geraten in eine Menschenmenge und verlieren sich aus den Augen. Für ein gemeinsames Treffen kommen zwei verschiedene Orte in Frage. Genau genommen ergeben sich hier nur die Möglichkeiten, dass sich beide an einem der Orte treffen oder beide in unterschiedliche Richtungen laufen und sich nicht treffen.

Was die Spieltheorie nun herauszufinden versucht

Anhang der Definition eines Spiels und den Beispielen für verschiedene Grundtypen, untersucht die Spieltheorie die möglichen Spielausgänge. Auf den ersten Blick wirkt die Frage recht banal. Berücksichtigt man neben dem Typ des Spiels und den grundsätzlichen Annahmen jedoch, dass jeder Spieler andere Eigeninteressen hat und der eine oder andere während des Spiels auch tricksen könnte, wird die Analyse selbst einfacher Gesellschaftsspiele recht kompliziert. Gleichzeitig ergeben sich mit den Ergebnissen der Analysen viele Möglichkeiten der Übertragung in andere wissenschaftliche Disziplinen, in denen komplexe Entscheidungen im Mittelpunkt stehen. Beispiele hierfür sind:

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  • Wirtschaft
  • Marketing
  • Psychologie
  • Politik
  • IT

Bildnachweise: Adobe Stock / denisismagilov, Amazon / Parker

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